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Unpaid Care Work: Die stille Kraft unserer Gesellschaft bekommt endlich eine Stimme

Unpaid Care Work beschreibt unbezahlte Sorge- und Pflegearbeit, die täglich in Familien und Gemeinschaften geleistet wird. Dazu gehören Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, emotionale Unterstützung, Organisation des Haushalts und viele weitere Aufgaben, die essenziell für das Funktionieren unserer Gesellschaft sind.

Diese Arbeit wird meist im privaten Raum erbracht, ohne finanzielle Vergütung und ohne offizielle Anerkennung als berufliche Leistung. Dennoch bildet sie das Fundament unseres wirtschaftlichen und sozialen Systems. Ohne Sorgearbeit könnten weder Unternehmen noch öffentliche Institutionen langfristig bestehen.

Viele Menschen, vor allem Frauen, unterbrechen oder reduzieren ihre Erwerbstätigkeit, um Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu übernehmen. Die daraus entstehenden Lücken im Lebenslauf wurden bislang häufig negativ bewertet. Genau hier setzt eine neue Bewegung an.

Die Initiative Unpaid Care Work – Sichtbarkeit statt Schweigen

Der Start einer Bewegung

Am 26. April 2024 wurde eine Idee Realität: Die LinkedIn-Unternehmensseite „Unpaid Care Work“ ging online. Was zunächst wie ein symbolischer Schritt wirkte, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einer Welle der Sichtbarkeit. Tausende Menschen trugen diese Bezeichnung als Arbeitgeber in ihr Profil ein.

Die Initiative verfolgt ein klares Ziel: Unbezahlte Sorgearbeit soll als Kompetenz anerkannt werden. Wer Care-Arbeit leistet, entwickelt Fähigkeiten wie Organisationstalent, Konfliktlösung, Empathie, Belastbarkeit und strategisches Denken. Diese Kompetenzen sind in der modernen Arbeitswelt unverzichtbar.

Die Bewegung zeigt eindrucksvoll, wie viele Menschen betroffen sind. Sie schafft Raum für Austausch, Selbstbewusstsein und gesellschaftliche Veränderung.

Franziska Büschelberger – Die Gründerin hinter Unpaid Care Work

Franziska Büschelberger
Franziska Büschelberger

Vision und Motivation

Franziska Büschelberger aus Dresden ist die Gründerin der Initiative. Sie bringt über 30 Jahre Erfahrung in Forschung, Datenvisualisierung und Teamkoordination mit. Gleichzeitig ist sie alleinerziehende Mutter und kennt die Herausforderungen von Care-Verantwortung aus eigener Erfahrung.

Ihr zentrales Anliegen ist Wertschätzung. Sie beobachtete, dass viele Menschen ihre Sorgearbeit im Lebenslauf verschweigen, weil sie als „Lücke“ gilt. Diese Unsichtbarkeit wollte sie nicht länger akzeptieren. Für sie ist klar: Wertschätzung darf kein Privileg sein.

Beruflicher Hintergrund

Als Inhaberin von B.IST Analysen beschäftigt sich Franziska mit Unternehmenskultur, Mitarbeiterzufriedenheit und Sichtbarkeit von Kompetenzen. Sie analysiert, welche Leistungen anerkannt werden – und welche nicht.

Zusätzlich ist sie Kolumnistin der Frankfurter Rundschau. Dort schreibt sie regelmäßig über gesellschaftliche Themen, Vereinbarkeit und strukturelle Ungleichheiten. Ihr Engagement verbindet analytisches Denken mit sozialer Verantwortung.

Gesellschaftliche Ziele

Franziska setzt sich für drei zentrale Anliegen ein:

  1. Niemand ist falsch oder schwach – es ist der Blickwinkel, der Wahrnehmung prägt.

  2. Menschen mit Sorgeverantwortung müssen sichtbar werden.

  3. Geschlechterstereotype sollen abgebaut und Chancengerechtigkeit gefördert werden.

Mit der Initiative möchte sie Wirtschaft und Care-Arbeit zusammen denken, weil beides untrennbar miteinander verbunden ist.

Katrin Fuchs – Mitstreiterin und Impulsgeberin

Katrin Fuchs
Katrin Fuchs

Expertin für Vereinbarkeit

Katrin Fuchs ist die zweite zentrale Person der Initiative. Sie arbeitet als Coachin und Beraterin für lebensphasenorientierte Vereinbarkeit. Ihr Fokus liegt darauf, Eltern und insbesondere Frauen zu unterstützen, ihren eigenen Weg zwischen Beruf und Familie zu finden.

Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Wirtschaft, unter anderem bei PwC in der Schweiz, wo sie heute als Apprentice Programme Lead tätig ist. Ihre Karriere zeigt, dass beruflicher Erfolg und familiäre Verantwortung kein Widerspruch sein müssen – wenn Strukturen angepasst werden.

Persönlicher Bezug zur Care-Arbeit

Katrin ist Mutter von zwei Kindern und kennt die Belastungen durch Mental Load und gesellschaftliche Erwartungen. Ihre eigene Erfahrung motiviert sie, das Thema Gleichberechtigung aktiv zu gestalten.

Innerhalb der Initiative arbeitet sie gemeinsam mit Franziska daran, das Bewusstsein für die wirtschaftliche Bedeutung von Sorgearbeit zu schärfen. Ihr Ziel ist es, Unternehmen zu sensibilisieren und strukturelle Veränderungen anzustoßen.

Warum Unpaid Care Work wirtschaftlich relevant ist

Unsichtbare Leistung mit messbarem Wert

Sorgearbeit ist kein Nebenprodukt des Alltags, sondern eine produktive Leistung. Würde man diese Arbeit monetär bewerten, ergäben sich immense volkswirtschaftliche Summen. Dennoch taucht sie in keiner klassischen Bilanz auf.

Eltern organisieren Termine, koordinieren Bildung, fördern soziale Kompetenzen und tragen Verantwortung rund um die Uhr. Pflege von Angehörigen erfordert medizinisches Wissen, emotionale Stabilität und organisatorisches Geschick. Diese Fähigkeiten entsprechen Management-Kompetenzen.

Kompetenzen aus Care-Arbeit

Wer langfristig Verantwortung übernimmt, entwickelt:

  • Krisenmanagement

  • Zeit- und Ressourcenplanung

  • Konfliktlösung

  • Kommunikationsstärke

  • Resilienz

Diese Kompetenzen sind in Unternehmen gefragt. Die Initiative macht deutlich, dass Care-Erfahrung kein Makel, sondern eine Qualifikation ist.

Gesellschaftlicher Wandel durch Sichtbarkeit

Von der Lücke zur Kompetenz

Lange galten Phasen der Sorgearbeit als Karrierebruch. Die Initiative verändert diese Perspektive. Wer Verantwortung übernimmt, sammelt Führungserfahrung im realen Leben.

Indem Menschen diese Tätigkeit offen im Lebenslauf aufführen, entsteht ein kultureller Wandel. Personalverantwortliche werden angeregt, ihre Bewertungsmaßstäbe zu überdenken.

Abbau von Geschlechterstereotypen

Traditionell wird Sorgearbeit überwiegend Frauen zugeschrieben. Die Bewegung lädt ausdrücklich auch Väter und pflegende Angehörige ein, sich sichtbar zu machen.

Dadurch wird deutlich, dass Care-Arbeit keine private Nebensache, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Die Anerkennung trägt zur Gleichstellung bei.

Unpaid Care Work als Impuls für Unternehmen

Neue Perspektiven im Recruiting

Unternehmen stehen vor dem Fachkräftemangel. Gleichzeitig bleiben wertvolle Kompetenzen unberücksichtigt, wenn Care-Erfahrung ignoriert wird.

Ein offener Umgang mit Lebensphasen schafft Vertrauen. Wer Vereinbarkeit ermöglicht, erhöht Mitarbeiterbindung und Zufriedenheit.

Kultur der Wertschätzung

Franziska Büschelberger und Katrin Fuchs betonen, dass emotionale Verbundenheit entscheidend für langfristige Partnerschaften ist – sowohl privat als auch beruflich. Menschen, die sich gesehen fühlen, engagieren sich stärker.

Eine Unternehmenskultur, die Sorgearbeit respektiert, sendet ein klares Signal: Leistung hat viele Formen.

Die Bewegung wächst

Was als Idee begann, entwickelte sich schnell zu einer großen Gemeinschaft. Tausende Profile tragen inzwischen die Bezeichnung als symbolischen Arbeitgeber.

Die hohe Beteiligung zeigt, wie stark das Bedürfnis nach Anerkennung ist. Die Initiative bietet nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch Identifikation und Austausch.

Fazit

Unpaid Care Work verändert die Art, wie wir Arbeit definieren. Es geht nicht nur um Einkommen, sondern um Verantwortung, Kompetenz und gesellschaftlichen Beitrag.

Franziska Büschelberger und Katrin Fuchs haben eine Bewegung geschaffen, die Mut macht. Sie fordern dazu auf, Sorgearbeit nicht länger zu verstecken, sondern selbstbewusst zu benennen.

Die Initiative zeigt: Wirtschaft und Fürsorge sind keine Gegensätze. Sie bedingen einander. Wer sich um Menschen kümmert, leistet einen fundamentalen Beitrag zur Stabilität unserer Gesellschaft.

Die Sichtbarkeit dieser Arbeit ist ein Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit, mehr Gleichberechtigung und einer modernen Definition von Erfolg.

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